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Coronavirus – Krise oder Chance für Kleinunternehmen?

In diesem Interview erfahren Sie, wie Tamara Gigon, Komplementär-Therapeutin in der Methode Shiatsu, Dozentin sowie Schulleiterin der Ko Schule für Shiatsu Zürich, auf die Herausforderungen reagiert, die das Coronavirus mit sich bringt. Sie gibt Tipps an die Hand, wie diese Zeit als Chance genutzt werden kann.

 (Interview von Danielle Brügger, Verantwortliche Kommunikation, Ko Schule für Shiatsu)

 

Tamara Gigon, Sie sind selbständige Therapeutin, Dozentin, Mutter und Ehefrau. Seit Beginn dieses Jahres leiten Sie gemeinsam mit Pascale Jacot-Descombes und Veronika Ronchin die Ko Schule für Shiatsu. Vom 13. März bis 8. Juni 2020 musstet Sie aufgrund der Corona-Pandemie die Türen der Schule für den Präsenzunterricht schliessen. Wie sind Sie mit den Herausforderungen umgegangen, welche die erste und jetzt die zweite Welle des Coronavirus für Sie bereithält?

 

Tamara Gigon: «Die Corona Pandemie hat unser Unternehmen erschüttert. Strukturen, die wir uns seit Jahrzehnten gewohnt waren, wurden umgeworfen oder aufgelöst. Anstehende Prozesse wurden beschleunigt wie beispielsweise der Schritt vom Präsenz- zum Onlineunterricht oder notwendige Umstrukturierungen. Die vertraute Umgangsweise mit unseren Kursteilnehmenden, Dozierenden und im Team wurde verboten. Von einem Tag auf den anderen wurden wir in eine neue Realität katapultiert: Plötzlich stand an der Tagesordnung, sich stets an den Weisungen des Bundesrats und des Kantons in Sachen Schutzmassnahmen zu orientieren, diese unmittelbar in der Schule zu implementieren, Formalitäten zur Sicherung unseres Unternehmens einzureichen, eine zeitnahe Kommunikation aller Veränderungen innerhalb der Community sicherzustellen und sich mit der neu entstandenen Distanz im Team und im Alltag zurechtzufinden. Dies natürlich nebst dem Tagesgeschäft. Wir sind eine Schule für Shiatsu: In unserer Berufsausbildung, Fortbildungskursen und Workshops sind körperliche Nähe, Berührung und echte Begegnung zentral. Die Corona-Pandemie «zwang» uns neue Verbundenheit zu gestalten und innezuhalten.»

 

Sie sprechen von Strukturen, die aufgelöst, Prozesse, die beschleunigt und Rituale und Umgangsformen, die über den Haufen geworfen wurden durch die Corona-Krise. Wie halten Sie diese Erschütterung aus?

 

Tamara Gigon: «In dem ich jeden Tag mit «Ich-Zeit» beginne. Es braucht Disziplin, mir jeden Tag Zeit zu nehmen, um in Verbindung und Präsenz mit mir selbst zu kommen, ob in einer Meditation, mit einer Atemübung oder mit bewusstem Teetrinken wie es in Japan Tradition ist. Die Art und Weise, wie man sich verbindet, ist meiner Meinung nach nebensächlich; es ist die Wiederholung, das Ritual, welche Sicherheit und Kraft für neue Wege spenden. Sich in die Stille einlassen und spüren, was ist, löst Blockaden auf. Es ist normal, wenn dabei Gefühle wie Schmerz, Angst, Unsicherheit oder Wut hochkommen. In dem wir diese Empfindung wahrnehmen und annehmen statt zu übergehen, unterdrücken oder verurteilen, fällt die Ohnmacht ab und es gibt Platz für andere Gefühle, welche uns unterstützen, vertrauensvoll weiterzugehen.»

 

Für viele Unternehmen und Schulen hat die Corona-Pandemie den Schritt zur Online-Kommunikation und zum Live-Streaming aus dem Unterricht beschleunigt. Wie war das für Sie und Ihren Schulbetrieb?

 

Tamara Gigon: «Beschleunigung ist wie beim Autofahren: wenn ich das Gaspedal presse, drückt es mich in den Sitz zurück. Sich auf die Geschwindigkeit einlassen und mitgehen ist weniger anstrengend als Widerstand bieten. Wir haben uns von der bewegten Zeit mitreissen lassen und sind selbst in Bewegung gegangen. So schnell es uns möglich war, haben wir Live-Streaming aus den Kursen bereitgestellt. Inzwischen sind sämtliche Theoriekurse online, bei vielen Kursen ist sowohl eine vor Ort als eine Online-Teilnahme möglich. Kurse für die manuelle Methode Shiatsu bleiben im Präsenzunterricht unter Einhaltung des Schutzkonzepts.»

 

Wie reagierte Ihre Community auf diese Veränderung?

 

Tamara Gigon: «Ohne das Coronavirus wäre in unserer Branche der Schritt zu Online-Begegnungen vermutlich noch eine längere Zeit ausgeblieben. Die Nähe zum Menschen ist in der KomplementärTherapie von grosser Bedeutung. Trotzdem zeigten viele unserer Kursteilnehmenden Interesse und Flexibilität für das Neue. Sie öffneten sich dafür und liessen sich auf die neue Erfahrung ein. Für manche Kursteilnehmende war es ein Schritt Richtung Neuland. Ich bin allen dankbar, dass wir gemeinsam diesen Schritt gewagt und die Chance angenommen haben, aus der Geborgenheit des Daheims Aus- und Fortbildung weiterzuführen.»

 

Sie sagten eingangs, dass Strukturen verändert oder gar aufgelöst wurden durch die aktuelle Situation. Was meinen Sie damit?

 

Tamara Gigon: «Unsere Schule lebt seit 23 Jahren Unterrichtsformate, Abläufe, Prozesse, Traditionen und Rituale. Die neue Realität hat bewirkt, dass wir uns nicht mehr in vertrauter Weise treffen oder zusammen essen können, dass der Körperkontakt untersagt ist und dass auf Feierlichkeiten wie Diplomfeier, Jahresendessen etc. im gewohnten Rahmen verzichtet wird. Zudem fielen Einnahmen weg, was uns zu Entscheidungen zwang wie die Verkleinerung unseres Teams und die Umverteilung von Aufgaben.»

 

Gewohnte Abläufe und Strukturen auflösen oder loslassen bereitet oft Angst. Wie gehen Sie damit um?

 

Tamara Gigon: «Wenn etwas aufgelöst wird, kommt etwas anderes, es kommt nicht das Nichts! Oftmals verkrampfen wir uns in dem Moment, weil wir denken, dass die Konsequenz von etwas loslassen eben die Leere sei. Denken wir an Wasser: auch wenn es seinen Aggregatszustand wechselt von flüssig zu gasförmig, bleibt es dennoch vorhanden. Das gilt auch für unser Leben und darauf dürfen wir vertrauen. Es braucht Energie und Raum, damit etwas Neues entstehen kann, und wenn wir es schaffen, vertrauensvoll zu sein, können wir uns in Ruhe auf den Prozess einlassen.»

 

Sie sprechen von Vertrauen. Was passiert, wenn es uns nicht gelingt, sich voller Vertrauen auf Prozesse einzulassen?

 

Tamara Gigon: «Dann reagiert der Körper mit Stress und es können Blockaden entstehen. Wenn wir nicht mitgehen, mit dem was ist, dann kommt die Energie ins Stocken. Dies kann von sich körperlich unwohl fühlen, zu Schmerz bis hin zu Krankheit führen.»

 

Kann Vertrauen geübt werden?

 

Tamara Gigon: «Ja! In einer Shiatsu-Therapie haben wir viele Möglichkeiten, mit dem Klienten Vertrauen im Körper erfahrbar zu machen. Ein weiteres gutes Mittel sind Rhythmus und Rituale. Dem Leben Rhythmus verleihen mit regelmässigen Mahlzeiten, Morgen- und Abendrituale oder gezielte Übungen, schafft Vertrauen. Ich persönlich gönne mir mindestens jeden Morgen 30 Minuten «Ich-Zeit», in der ich mich ganz auf das Nährende im Leben ausrichte. Damit gönne ich mir eine gute Ausgangslage für den Tag. Eine andere leichte und doch wertvolle Übung ist sich auf ein Sofa zu setzen, nach hinten zu lehnen, das Gewicht ganz abzugeben und bewusst wahrzunehmen, dass die Lehne dich hält. Diese scheinbar einfache Übung, kann dem Körper das Gefühl von Vertrauen ermöglichen. Es ist wie eine Fremdsprache lernen: es kommt auf die Häufigkeit des Übens und das bewusste Wahrnehmen und Spüren an und nicht auf die Komplexität der Übung oder des Wortes.

 

Sie reden von Strukturen und Rhythmus. Worin liegt der Unterschied?

 

Tamara Gigon: «Keine einfache Frage! Beides kann Halt und Sicherheit geben und ist doch nicht dasselbe. Strukturen sind meist sinnvoll erachtete Leitplanken, welche Klarheit und Ordnung sichtbar werden lassen. Rhythmus ist einer Gegebenheit, individuell angepasstes Verhalten in den Jahreszeiten oder Tageszeiten. Seinem Rhythmus angepasst zu leben, hilft Übergänge im Leben und grosse Herausforderungen leichter zu durchleben.»

 

Aufgrund der Corona- Pandemie haben Sie im Schulleitungsteam entschieden, ab 2021 die Ausbildung zur Shiatsu-TherapeutIn nicht mehr anzubieten. Kurse, die für die aktuellen Studierenden zum Berufsabschluss führen, bleiben im Angebot. Neu richten Sie den Fokus des Angebots auf Fortbildung und Workshops. Wie erleben Sie diesen Prozess des Loslassens einer alten Tradition und der Neuausrichtung des Unternehmens?

 
Tamara Gigon: «Das Ausbildungsangebot nach 23 Jahren loszulassen ist schmerzhaft. Nach langem Prüfen der Sachlage, Innehalten und Spüren wie es weiter geht, entschieden wir uns den nächsten Schritt für unsere Schule zu machen, im Bewusstsein, dass wachsen nicht immer «grösser und schneller» bedeutet. Wir sind eine Lebensschule und uns ist es ein Herzensanliegen, das Ko (japanisch Licht) auch weiterhin nach aussen zu tragen. Das bedeutet unter anderem, den Weg für andere zu leuchten, wie eine Laterne im Dunkeln, besonders jetzt in dieser turbulenten Zeit. Das ist meine Vision, welche ich mit Herz verfolge. Und wie für alle in der momentanen Zeit ist dieser Wandel mit viel Arbeit verbunden, da muss ich mich immer wieder daran erinnern, dass die Leichtigkeit, das Fliessen lassen mein «Kompass» zum Ziel ist.»

 

Steckt Ihr Unternehmen nun in einer Krise oder sehen Sie die Situation als Chance?

 

Tamara Gigon: «Für uns ist es eine Möglichkeit, etwas Neues zu erleben. Das bedeutet nicht, dass es immer ein Spass ist, Altes loszulassen, und dass ich voller Euphorie das Neue angehe. Viele Menschen meinen, dass auf sein Herz hören (und seinen Verstand dabei gezielt einsetzen) bedeute, dass grosse Euphorie und Freude aufkommt. Das kann sein, oft ist die Freude aber eine feine, leise Stimme, die zu einem spricht. Wichtig ist, sich in den Fluss des Lebens einzulassen und mitzugehen.»

 

Die Ko Schule für Shiatsu versteht sich als Lebensschule mit dem Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, ein Verständnis für Gesundheit und Krankheit zu entwickeln, Energien im Körper bewusst wahrzunehmen, ihr Leben so zu leben, dass es für sie Sinn macht und sie andere damit positiv berühren. Welche Form von Unterstützung bietet die Ko Schule konkret in der aktuellen Situation an?

 

Tamara Gigon: «Uns ist es seit jeher ein Herzensanliegen, unsere Community persönlich und eng zu begleiten. In der Ausnahmesituation, die das Corona-Virus in unserem Land ausgelöst hat, haben wir sie zusätzlich unter dem Slogan «Coronavirus – Wir informieren laufend» mit Neuigkeiten auf Facebook und auf unserer Webseite über die aktuelle Lage informiert. Unsere Kursteilnehmenden können uns Schulleiterinnen persönlich kontaktieren, wir sind in nahem Austausch mit den Studierenden. Am 16. Januar 2021 bieten wir unter Einhaltung der Schutzmassnahmen einen Tageskongress im Volkshaus Zürich zum Thema «Die natürliche Ordnung in der Polarität» an. Alle, die sich für die Gesetzmässigkeiten im Leben interessieren, sind herzlich eingeladen, den Tag mit uns vor Ort oder via Zoom zu verbringen. Wir setzen uns mit den Gesetzmässigkeiten des Lebens auseinander, denn wenn wir diese als natürliche Gegebenheit der Erde erleben und annehmen, statt zu hadern, sind wir im Einklang mit Körper, Seele und Geist.»

 

Was ist mit der natürlichen Ordnung in der Polarität gemeint?

 

Tamara Gigon: «Alles in der Natur hat eine natürliche Ordnung wie im Frühling aus dem Samen eine Pflanze entsteht, im Sommer blüht, im Herbst verwelkt und sich im Winter zersetzt und den Boden für den nächsten Werdegang nährt, so gilt dies auch für andere Bereiche des Lebens. Das Leben findet zirkulär zwischen den Polen statt: hell/dunkel, weich/hart, weit/eng, heiss/kalt, auf- und absteigend usw. Je mehr wir diese Tatsache annehmen und uns Wissen dazu aneignen, umso besser finden wir uns in unserem Leben zurecht. Die Vorträge am Tageskongress decken alle Bereiche des Lebens ab: die körperliche und persönliche wie auch die soziale und die gesellschaftliche Ebene. Zudem wird es Gelegenheit für spannende Begegnungen und Austausch untereinander geben.»

 

Der Tageskongress ist ein Tagesangebot. Bietet die Ko Schule auch andere Kurse an, in denen Kursteilnehmende sich in dieser fordernden Zeit stärken können?

 

Tamara Gigon: «Ja, auf jeden Fall! In unseren Fortbildungskursen und Workshops pflegen wir direkte Mensch-zu-Mensch-Beziehungen. Die Kurse sind ein Übungsfeld, in dem sich Menschen mit all ihren Facetten begegnen, sich erleben und reflektieren, ausprobieren und persönlich wachsen können. Das ist die Basis von jedem Kurs, auf dem der Kursinhalt aufgebaut wird. Das bedeutet, TherapeutInnen machen Erfahrungen mit sich und eignen sich so gezielt Werkzeuge für ihren Praxisalltag an. Nicht-Therapeuten rüsten sich mit Wissen und Handlungsmöglichkeiten für ihr Lebensmanagement aus.»

 
Wenn Sie sich etwas für sich und die Menschen, die dieses Interview lesen, wünschen könnten, was wäre das?

 

Tamara Gigon: «Dass wir in Bewegung bleiben, im Innen wie im Aussen. Wenn die Energie in unserem Körper, in den Meridianen fliesst, dann fühlen wir uns lebendig, gesund und stark und sind zu mehr fähig, als wir zu träumen wagen. Wenn wir im Innen wie im Aussen die fünf Elementen der Natur (aus der Sicht der fernöstlichen Medizin) Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz vertrauensvoll annehmen, die aktuellen Zustände und den Wandel leben und stets mutig in Bewegung bleiben, sind wir auf einem guten Weg.»

 

 

Ko Schule für Shiatsu ... Die Schule macht den Unterschied

 

 

Ko Schule für Shiatsu GmbH, T: +41 44 942 18 11, schule@ko-shiatsu.ch, www.ko-shiatsu.ch FacebookInstagram

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